Gehrenspitze: Südpfeiler, 6

M. Niggl, J. Keller, K. Schnetz; vollendet v. P. Risch u. K. Seybold, 1922

Angesichts des beliebten Dreigespanns Gimpel, Rote Flüh, Hochwiesler und dem leichter erreichbaren Aggenstein steht die Gehrenspitze unter den Tannheimer Bergen nicht nur geographisch ein wenig im Abseits. Auch Kletterer finden selten den Weg hier herauf. Derweil ist der Fels recht rau, meist fest und bekommt bis weit in den Herbst viel Sonne ab.

Die Routen in der Südwand sind mit maximal 6 Seillängen eher kurz, der Abstieg geht schnell, und so bietet es sich an, mehrere Routen nacheinander zu klettern. Wer selbst dann noch nicht genug hat, nächtigt auf der gemütlichen Gehrenalm und steht am nächsten Tag in einer knappen Stunde wieder unterhalb der Südwand. Die Auswahl an lohnenden Klettereien zwischen dem 4. und 6. Grad ist reichlich (siehe auch Alpines Genussklettern 4-6).

Der Südpfeiler allein lohnt den Anstieg zur Gehrenspitze. Ausgesetzt und steil führt der Weg durch festen, sonnigen Fels. Wohl die alpinste, die beeindruckendste und auch die schwierigste Route auf die Gehrenspitze.

 

Schwierigkeit: 6 (5+/A0), meist zwischen 4 und 6-

Gesamtanforderung: 2+

Wandhöhe: 160 m

Kletterlänge: 190 m

Ausrichtung: S

Dauer: 2 ½ h

Absicherung: gut abgesichert, zusätzliche Absicherung mit mittleren Klemmgeräten

Material: 4 Expressen

 

Karten:

BLVA UKL 10, Füssen und Umgebung, 1:50000

F&B WK 352 Ehrwald, Lermoos, Reutte, Tannheimer Tal, 1:50.000

 

Literatur:

Toni Freudig: Klettern im Herzen der Tannheimer, 2004

Panico Kletterführer Allgäu incl. Tannheimer Tal, 2004

Panico best of

 

Talort: Wängle (890 m) bei Reutte im Tannheimer Tal

Ausgangspunkt: Ortsteil Winkl, Kapelle (1000 m)

 

Anfahrt:

Aus Osten kommend durch Reutte und auf der B 198 Richtung Lechtal über die Lechbrücke. Kurz danach rechts abbiegen nach Wängle. Durch den Ort bis in den Ortsteil Winkl; an der kleinen Kapelle rechts Wegweiser zur Gehrenalm. Parken am Straßenrand.

 

Stützpunkt:

Gehrenalm (1610 m): priv., bew. Mai bis Ende Oktober, 35 L.; Übernachtung dringend reservieren: Tel.: (++43) (0) 664 – 163 41 16, (++43) (0) 676 – 724 85 22; huette@gehrenalpe.com; www.gehrenalpe.com

 

Hüttenzustieg (600 Hm, 1 ½ h):

Ab der Kapelle in Winkl der Wegweisung Richtung Gehrenalm folgen. Später auf Forststraße oder (kürzer) über Steig zur Alm.

Zur Gehrenalm gelangt man auch über den Alpenrosenweg in etwa einer Stunde von der Bergstation der Reuttener Bergbahnen ab Höfen. (In Wängle der Wegweisung nach Höfen / Reuttener Bergbahnen folgen.)

 

Zustieg ab Gehrenalm (400 Hm, 1 h):

Von der Alm weiter zum Gehrenjoch. Dort nördlich auf dem Normalweg über schrofige Rippen und grasige Mulden zur Südwand der Gehrenspitze. An der Gedenktafel-Nische nach rechts unter der Südwand bis zum Fuß des markanten Pfeilers in der Wandmitte absteigen (ca. 60 Gehmeter). Einstieg rechts der Kante bei einem Absatz in etwa 5 m Höhe.

 

Abstieg (1 ¼ h zur Alm, 2 h ins Tal):

Über den Normalweg nach Westen in eine Scharte absteigen und durch die Rinne zur Gedenktafel-Nische (1/2 h, 1). Zurück zur Alm und ins Tal auf dem Zustiegsweg.

 

1. SL

Links haltend über Platten bis direkt an die Pfeilerkante. Stand auf kleinem Absatz. (25 m, 6, 5+/A0)

2. SL

Den steilen Südpfeiler nun direkt erklettern bis auf einen Absatz links der Kante. (35 m, 6-, 5+/A0)

3. SL

Über eine Platte kurz senkrecht empor. Bei SU unter einem Überhang in die linke Flanke des Pfeilers ausweichen und durch einen kurzen Kamin senkrecht hinauf. Über eine geneigte Platte links auf einen Absatz. (30 m, 4)

4. SL

Platten- und Risskletterei, zunächst senkrecht, später leicht rechts haltend. (30 m, 4)

5. SL

Vom Stand rechts auf die Platte queren, über einen kleinen Überhang und wieder über Platten bis unter einen Überhang, der über eine Rampe nach rechts umgangen wird. (35 m, 6-)

6. SL

Über Wulst und Platte direkt empor in einen Kamin und durch diesen leicht links haltend zum Ausstieg nahe des Gipfels. (30 m, 4)

Vom Ausstieg nur wenige Meter rechts zum Gipfel.