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Großes Häuslhorn: Direkte Südwand, 5+
Kadner und Gef., 1920
Schon von weitem ist die Route durch die große Südwand auszumachen. Die Kletterei hält, was der erste Anblick verspricht: Durch Risse, Kamine und über Rampen führt sie luftig und steil in bestem Fels direkt auf den Gipfel. In der Literatur mit ‚5-’ oder ‚Stelle 5’ zu hart bewertet. Um Kletterern, die bislang nur in Gebieten westlich des Wilden Kaisers alpine Erfahrung sammelten, unerwartete Schwierigkeiten zu ersparen, wird die Tour hier höher bewertet. Zusammen mit der durchwegs alpinen Absicherung (2 gebohrte Zwischenhaken auf 14 Seillängen, dazu eine Hand voll Normalhaken; viele Seillängen ganz ohne Zwischensicherung.) und dem langen Abstieg darf die Gerade Südwand keinesfalls unterschätzt werden. Wer einsteigt, den erwartet ein langer, erlebnisreicher Tag in großartiger alpiner Umgebung.
Schwierigkeit: 5+, meist 4+ und 4
Gesamtanforderung: 3
Wandhöhe: 450 m
Kletterlänge: 540 m
Ausrichtung: S
Dauer: 4-6 h
Absicherung: kaum abgesichert; eigenständige Sicherung überall gut möglich.
Material: 4 Expressen, 1 Satz Klemmkeile/Friends, Schlingen
Karte:
BLVA UKL 4 Berchtesgadener Alpen, 1:50000
Literatur:
AVF Berchtesgadener Alpen (Noch mit alter Routenführung und alten Seillängenangaben)
Talort: Lofer (625 m)
Ausgangspunkt: Gasthof Mairberg (900 m)
Anfahrt:
Von Inzell oder Bad Reichenhall über den Steinpass oder von Saalfelden über Weißbach nach Lofer. 2 km nördlich von Lofer zweigt östlich eine Straße nach Au / Mairberg ab. Durch Au hindurch bis zum Gasthof Mairberg in Obermairberg.
Stützpunkt:
Kein Stützpunkt. Im Notfall kann vom Gipfel in 1 h zur Traunsteiner Hütte abgestiegen werden (wie unten beschrieben, am Weg links).
Zustieg (950 Hm, 2 ½ h):
Auf Forstweg in den Wald. Nach 1 ½ km bei Weggabelung links halten und der Forststraße Richtung Mairbergscharte bis zu ihrem Ende folgen. 100 m nach dem Straßenende quert der Pfad ein meist ausgetrocknetes Bachbett (1 h). Durch dieses hoch bis unmittelbar unter die Südwand (Stellen 2, unangenehm bei Nässe). Oben eher rechts halten und von rechts den grasigen Wandfuß ersteigen. Unterhalb einer rechteckigen glatten Felsplatte mit auffallendem Diagonalriss über Grasbüschel nach links zum Einstieg queren.
Abstieg (3 ½ h):
Auf dem Normalweg (rot markiert) über den Nordostgrat und die Nordflanke absteigen, bis der Weg von der Traunsteiner Hütte zur Mairbergscharte erreicht wird (1/2 h). Hier rechts (südöstlich) zum Wagendrischelhorn und weiter in die Mairbergscharte. Durch die Scharte nach Süden absteigen (Drahtseile), unterhalb der Westwand des Stadelhorn in mehrmaligem Auf und Ab bis zum auffallenden Wanderstempel an Latschen queren. Hier auf schmalem Pfad rechts (westlich) durch die Latschen hinunter. Kurz nach der Jagdhütte Hochscheid stößt man auf den Zustiegsweg und erreicht bald den Ausgangspunkt.
Schneller gelangt man durch die Häuslhornrinne wieder unter die Südwand. Hier die AVF-Beschreibung: Vom Gipfel in nordwestlicher Richtung über das Kleine Häuslhorn und in die Scharte bei P. 2158 hinab. In der Scharte markanter Felsturm. Leicht links haltend zu begrüntem Sporn absteigen, links (südlich) des Sporns in ein kleines Kar hinunter, nicht zu tief halten, links über schrofige, grasige Rampe zum Kar unter der Häuslhorn-Südwand. Man kann vom Kar nicht direkt durch die Rinne absteigen (Wandabbruch). (2, 1 h) Weiterer Abstieg wie Zustieg (Gesamt 2 ½ - 3 h).

1. SL | Über eine grasdurchsetzte Rampe 25 m schräg rechts bis auf ein Grasband ansteigen. Dem Band nach rechts bis ans Ende an einem großen Absatz folgen. Schlingenstand. (50 m, 3) | 2. SL | Schräg links eine Verschneidung hinauf, bis nach 30 m eine grasdurchsetzte Rampe erreicht wird. Im Rechtsbogen die Rampe hinauf bis zu einem großen Block. Stand wenige Meter dahinter an glatter Platte. (55 m, 3) | 3. SL | Durch den steilen Riss empor, im anschließenden leichteren Gelände weiter links halten und im Rechtsbogen zur großen Rampe. Wenige Meter vor ihr nach links zum Stand etwa 3 m links eines Kamins. (40 m, 5-) | 4. SL | Leicht links haltend über gestuften Fels zum Stand rechts am Riss. (30 m, 4-) | 5. SL | Durch den Riss hinauf. (30 m, 4+) | 6. SL | Weiter den zunehmend abdrängenden Riss erklettern und nach 25 m links queren. (30 m, 5+) | 7. SL | Einige Meter nach links, dann schräg rechts die Verschneidung empor und senkrecht durch einen Kamin. Zuletzt 2 m nach rechts. (50 m, 5-) | 8. SL | Im Bogen über eine glatte Platte und über Wasserrillen rechts einer offenen Verschneidung hinauf. (45 m, 4) | 9. SL | Weiter rechts der Verschneidung über die Wasserrillen hinauf in gestuftes Gelände. Senkrecht empor und nach 30 m links auf einem Felsblock (Wandbuch). (35 m, 4-) | 10. SL | Vom Block direkt durch den seitlich offenen Kamin in eine Kaminverschneidung. Durch diese auf Podest und Absatz 5 m darüber. (35 m, 4) | 11. SL | Nach links wenige Meter absteigen, 10 m queren und diagonal links haltend zum ersten Kamin aufsteigen. Stand 5 m rechts des Kamins. (30 m, 3) | 12. SL | Links haltend zum Kamin und durch diesen bis zu einem Klemmblock. (30 m, 3) | 13. SL | Weiter durch den Kamin bis in einen Kessel an dessen Ende. Stand links an glatter Platte. (30 m, 4) | 14. SL | Die letzten Meter links über gestuften Fels und Gehgelände zum Gipfel. (40 m, 3) |
Zusatzbeschreibung:
Bis zur großen Rampe in der 3. Seillänge sind mehrere Anstiegsvarianten möglich. Wer den beschriebenen Weg nicht findet, sucht sich im leichten Gelände seinen eigenen Weg. Ab dort ist die Routenführung klar. Wer bis 4+ sicher unterwegs ist und auf eigenständige Absicherung verzichtet, riskiert runouts bis 30 m. Die 6. Seillänge (5+) ist sehr gut abgesichert.

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