Hochkönig, Torsäule: Südwestriss, 4+

R. Franzl, S. Brugger, 1974

Die Kletterrouten am Hochkönig allein füllen einen ganzen Kletterführer. Wer kennt nicht die großen Anstiege auf den Hauptgipfel, auf den Großen Bratschenkopf oder an der vielzackigen Mandlwand? Die älteren erstbegangen oft von Hubert Peterka, die neueren meist von Albert Precht, beide Brüder im Geiste ob ihres (bohr)hakenfreien Kletterstils.

Die Torsäule bewacht wie ein Gendarm den Weg über die Übergossene Alm zum Matrashaus auf dem Hochkönig. Über dreißig mehr oder weniger extreme Kletterrouten ziehen sich durch ihre kompakte und plattige Süd- und Südwestwand. In Kombination mit einer Skitour auch ein ideales Winterziel.

Am Südwestriss trennen sich die Wege: Die Kletterei bewegt sich ständig gerade noch im 4. Grad. Mancher wird sich trotzdem in den 7er-Bohrhakenrouten wenige Meter links und rechts wohler fühlen. Denn bis zu 30 m ohne (bereits vorhandene) Zwischensicherungen steil und ausgesetzt zu klettern, ist nicht jedermanns Sache. Das absolut zuverlässige und raue Gestein indes lässt solche Nervenproben längerer runouts zu. Schönste lotrechte Risskletterei.

 

Schwierigkeit: 4+ (streng bewertet, anhaltend)

Gesamtanforderung: 2+

Wandhöhe: 220 m

Kletterlänge: 265 m

Ausrichtung: SW

Dauer: 2 ½ h

Absicherung: kaum abgesichert; zusätzliche Absicherung gut möglich

Material: 3 Expressen, Friends 2-4

 

Karten:

AVK 10/2 Hochkönig, Hagengebirge, 1:25000

BLVA UKL 4 Berchtesgadener Alpen, 1:50000

 

Literatur:

Panico Kletterführer Hochkönig

AVF Hochkönig, 1989

 

Talort: Mühlbach am Hochkönig (859 m)

Ausgangspunkt: Arthurhaus (1502 m)

 

Anfahrt:

AB Salzburg-Villach, Ausfahrt Bischofshofen, Richtung Mühlbach. In Mühlbach rechts auf der Mandlwandstraße zum Arthurhaus.

 

Stützpunkt:

Mitterfeldalm (1690 m): priv., ganzjährig bew.; 36 L., 6 B.; Tel.: (++43) (0) 664 – 252 86 43

 

Zustieg ins Ochsenkar (900 Hm, 2 h):

Vom Parkplatz auf breitem Weg nordöstlich zur Mitterfeldalm (1/2 h). Leicht abfallend quert der Weg dann die Nordostseite der Mandlwand, führt ins Untere Ochsenkar, hinauf zur Torsäule und zum großen Markierungsblock (rechts Torsäule-Normalweg, links zum Hochkönig). Links Richtung Hochkönig vorbei bis unter die Südwand. Beim Felsen mit der Aufschrift „Hm 2350" rechts durch Schutt zur Schlucht. Einstieg am Riss links der Schlucht.

 

Abstieg (2 h):

Über die Ostflanke der Torsäule auf Steigspuren abwärts bis auf eine Wiese. Dort führt der Steig in Kehren nach Süden ins Ochsenkar hinunter und trifft beim Markierungsblock auf den Hochkönigsteig (1/2 h). Auf dem Zustiegsweg zurück zum Ausgangspunkt.

 

1. SL

Den steilen Riss senkrecht empor. (40 m, 4+)

2. SL

Den Riss nach links verlassen, ihn schräg rechts ansteigend queren und rechts von ihm hinauf zum Stand. (35 m, 4)

3.+ 4. SL

Senkrecht durch den Riss empor. (30 m, 30 m, 4+)

5. SL

Den Riss nach 15 m bei Ringhaken rechts verlassen und über Hangelquergang rechts haltend zum Stand. (40 m, 4+)

6. SL

7 m senkrecht hinauf und 3 m links queren. Nun entweder bis unter einen Wulst senkrecht empor und links queren oder gleich über eine Platte links queren bis zum Rand einer Rinne und auf ein breites Plateau. (40 m, 4+)

7. SL

Rechts neben einer Verschneidung über eine Rissplatte gerade hinauf. (50 m, 4-)

Vom Ausstieg in 3 Minuten zum Gipfel.

Zusatzbeschreibung:

Die 1. Seillänge verlangt sofort entschlossenes und kraftvolles Zupacken bei guter Moral, die 2. Seillänge fordert nur die Moral, die beiden folgenden sind besser abgesichert. In der 5. Seillänge rechtzeitig den Riss verlassen und in der nächsten wieder Moral beweisen. Dann ist die letzte Seillänge ein Spaziergang.