Das Buch richtet sich an geübte Kletterer, die den Klettergarten verlassen und höher hinaus wollen. Steil darf’s schon sein, aber nicht zu schwer, gut abgesichert und auf keinen Fall brüchig, leicht zu finden und vor allem gut beschrieben sollen die ersten Unternehmungen in den Bergen sein. Mit einem Wort: Sicher.

Erstes Auswahlkriterium für eine Aufnahme in diesen Kletterführer waren gebohrte Standplätze. Seilschaftsstürze sind damit in den vorgestellten Routen so gut wie auszuschließen.

Unabhängig von der Schwierigkeit sichern mal mehr und mal weniger (gebohrte) Zwischenhaken den Anstieg, immer jedoch schwierige oder neuralgische Stellen. Der Einsteiger ins alpine Klettern soll sich zunächst auf die neuen Aufgaben und Erfahrungen wie Wegfindung, bislang ungewohnte Seilmanöver, Ausgesetztheit und Ausdauer konzentrieren können, ohne viel Aufmerksamkeit auf eine eigenständige Absicherung legen zu müssen. Nach ersten Routen wird er mehr und mehr seine Absicherung selbst in die Hand nehmen können. Das gilt nicht nur für die allerersten Routen im 4. Grad, sondern auch für erste Routen im 5. und im 6. Grad.

Grundsätzlich bleiben alle Touren alpin, Plaisirklettereien mit Bohrhaken alle drei bis vier Meter fehlen. Genauso fehlen aber auch einsame Wege an einsamen Wänden.

Um das Risiko von Verhauern möglichst gering zu halten, wurden weder Touren mit sehr verwinkelter Routenführung aufgenommen noch Klettereien, die auf engem Raum sich mehrmals mit anderen Routen kreuzen.

Die Touren sind Unternehmungen mit mindestens 4, in der Regel mit 7 bis 12, in Einzelfällen mit 15 und mehr Seillängen. Oft sind zwei oder mehrere nah beieinander liegende Routen vorgestellt; meist ist dann auch eine Hütte in der Nähe.

Nach diesen Kriterien wurden zwischen Allgäuer Alpen im Westen und Hochkönig im Osten etwa 150 Kletterrouten ausgewählt. 45 sind detailliert vorgestellt (Schwerpunkte im Tannheimer Gebirge, im Wetterstein und im Wilden Kaiser), 100 weitere sind genannt und z.T. kurz charakterisiert (detaillierte Beschreibungen bieten die jeweils genannten Infoquellen). Zwischen dem unteren 4. und dem oberen 6. Grad führen sie 200 bis 700 Meter durch Wände und über Kanten. Es sind beliebte Touren und weniger bekannte Wege dabei, alte und neue Klassiker oder solche, die das Zeug dazu haben. Ein knappes Fünftel der Tourenvorschläge eignet sich bestens für einen Einstieg ins alpine Klettern. Dann kommt im 4. Schwierigkeitsgrad – falls benötigt – die zusätzliche Selbstabsicherung dazu oder die Kletterei erreicht den 5. Grad. Gut die Hälfte der Touren stellt dann etwas höhere Anforderungen an Ausdauer oder Trittsicherheit, an Nervenstärke oder Selbständigkeit in der Absicherung oder ans sichere Klettern im 5. Grad.  Das letzte Fünftel der Touren ist teils legendären, anspruchsvolleren Routen, teils Routen mit Kletterei bis in den oberen 6. Grad vorbehalten. Immer sind die vorgestellten Touren gut abgesichert oder gut selbst zu sichern.