Die Geschichte des Toni Kurz

 

18. Juli 1936, die Eiger-Nordwand ist noch nicht bezwungen, die Reichenhaller Gebirgsjäger Toni Kurz und Anderl Hinterstoißer wagen einen neuen Versuch. Mit ihnen die Österreicher Willy Angerer und Edi Rainer. Beide Seilschaften schließen sich zusammen. Sie kommen schnell höher, eine glatte Platte in der Wandmitte überwindet Hinterstoißer mittels fallendem Seilzugquergang – der Schlüssel zum weiteren Aufstieg war gefunden. Die anderen folgen, das Seil wird abgezogen, gemeinsam klettern sie weiter. Angerer verletzt sich durch Steinschlag; erstes Biwak am Oberen Eisfeld.

19. Juli: Bei Nebel kommen sie kaum weiter, zweites Biwak am „Bügeleisen".

20. Juli: Sie erreichen das „Todesbiwak", in dem die Münchner Mehringer und Sedlmayr im Jahr zuvor erfroren sind. Angerers Verletzung verzögert das Weiterkommen zusehends. Rainer kann ihn nicht allein hinunterbringen. Also Rückzug aller. Wetterverschlechterung. Drittes Biwak am ersten Eisfeld.

21. Juli: Endgültige Wetterverschlechterung in der Nacht, es schneit ohne Unterlass. Weiterer Abstieg bis zum Quergang, vergebliche Versuche ihn zu traversieren. Beide Seilschaften seilen sich schließlich direkt über den senkrechten Fels ab. Albert von Allmen, der Streckenwärter der Jungfraubahn, sieht die vier vom nahen Stollenloch aus, bereitet ihnen heißen Tee. Doch die letzten 150 Meter in der Sturzbahn von Steinschlag und Lawinen sollen sie nicht mehr schaffen: Rainer erfriert, Angerer stürzt und erhängt sich im Seil, Hinterstoißer wird aus der Wand gerissen und stürzt bis zum Wandfuß. Nur Toni Kurz lebt noch, als von Allmen nach einer Stunde wieder am Stollenloch Ausschau hält. Er ruft um Hilfe, von Allmen über’s Telefon die Rettung. Vier Bergführer eilen herbei und versuchen, zu Kurz aufzusteigen. Der Fels ist spiegelglatt, noch immer donnern Lawinen über die Wand. Bei Dämmerung kehren sie um, nicht ohne Toni Kurz vorher zu versprechen, am nächsten Tag wiederzukommen. Derweil macht sich Ludwig Gramminger, Leiter der Bergwacht in München, mit einem Team auf den Weg nach Grindelwald. Toni Kurz überlebt die vierte Nacht im Freien mit erfrorener linker Hand.

22. Juli: Die Retter kommen nicht höher. Kurz dreht aus den Seilresten die Litzen heraus und knotet sie aneinander, lässt sie ab und zieht damit ein Seil zu sich herauf. Drei Stunden benötigt er dafür. Um die erforderliche Länge bis zu den Rettern zu haben, werden zwei Seile verknotet. Kurz schafft es mit letzter Kraft, sich, zuletzt überhängend, abzuseilen. Plötzlich, 5 Meter über den Rettern, kommt er nicht mehr weiter. Der Seilknoten verklemmt sich im Karabiner. Er kann ihn nicht befreien. Kurz stirbt, hoffnungslos im Nichts baumelnd, vor den Augen der Bergführer.