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Der Untersberg
Der Untersberg, ein breiter Tafelberg, nach Norden sanft geneigt, hie und da von Schluchten zerklüftet und von Einsattelungen durchzogen, nach Süden jäh bis zu 300 Metern abbrechend. Ein Berg mit vielen Erhebungen zwischen dem Berchtesgadener Hochthron im Westen (1973 m) und dem Salzburger Hochthron im Osten (1853 m), mit mehr als 100 Höhlen. Sagenumwoben wie kein anderer der Berchtesgadener Berge.
Wilde Zwerge höhlten ihn einst aus, die Gänge und Hallen funkelten und flimmerten von Gold und Edelstein. Kaiser Karl der Große thronte in seinen Marmorhöhlen, um von hier den deutschen Erbfeind zu besiegen. Die Untersberger Manndl, klein von Gestalt, mit Kapuze oder breitkrempigem Hut auf viel zu großem Kopf, mal hilfreich, mal boshaft gegen die Menschen, wurden von Sennerinnen, Holzknechten und Viehhirten mehrmals gesehen, ja, sie mischten sich sogar dann und wann unters Volk. Das konnte durchaus Krieg bedeuten. Auch lebten einst Riesen im Untersberg. Der mächtigste von ihnen, Riese Abfalter, warf in seinem Zorn Felsblöcke ins Tal, so mächtige, dass auf ihnen später ganze Ortschaften entstehen konnten. Wilde Frauen hausten hier. Man sah sie sitzen, droben auf den Wänden, wie sie ihr goldgelbes Haar kämmten. Unten waren sie gern gesehen als Friedensstifterinnen in streitigen Ehen. Waren aber auch gefürchtet ob ihrer leidenschaftlichen Liebe zu Kindern; da fehlte dann schon mal eins nach ihrem Besuch.
Ganze Brautgesellschaften luden die Berggeister ins Innere des Untersbergs. In den schönen Zimmern wurde getafelt und geschlafen. Aber wehe, wenn das Ende nahte: Die Geladenen fanden nach ihrer Rückkehr in fremder Umgebung ihr Zuhause nicht wieder, niemand verstand sie mehr.
Bis in die heutige Zeit wirken die Geister des Untersbergs: Schlägt der Birnbaum auf der nahen Walser Heide ein viertes Mal aus, naht die schreckliche Schlacht. Merkt das keiner und trägt der Baum sodann Früchte, erscheint der Antichrist, ertönen die Engelsposaunen und unser letzter Tag, der jüngste Tag, bricht an. Vorher noch schnell hierher zum Klettern.
Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden erste Wege durch die Südwand gefunden – heute noch sehr beliebt sind der „Barthkamin" (4+, Barth/Vogt, 1908) und die „Südwand" (3+, Barth/Niedermayer, 1907). Die Seilschaft Hinterstoißer/Kurz verewigte sich am Berchtesgadener Hochthron Mitte der 1930er mit zwei der schönsten klassischen Klettereien in den Berchtesgadener Alpen, der Südwestwand und der Pfeilersüdwand. Großartig ist der „Schimkepfeiler", 1943 von Schimke und Reischl erstbegangen, beeindruckend die A3-Techno-Linien aus den 1960ern von Schertle am Berchtesgadener Hochthron und am Blausandpfeiler. Dem Duo Brandner/Krafft gelang unter anderem die „Direkte Gelbe Mauer" (1972, 6/A3, selten leichter) – bis heute nicht frei begangen, Alexander!
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